Katharina Horn

Etappen einer angehenden Solomutter

auf den Weg zum Kinderwunsch

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Keine leichte Entscheidung

Schwanger werden, auch ohne Partner. Der Beziehungsstatus einer alleinstehenden Frau schließt heutzutage nicht mehr die Erfüllung des Kinderwunsches per se aus. Die Medizin bietet hier verschiedene Möglichkeiten an, dass sie sich ihren Kinderwunsch auch ohne Partner erfüllen können. Auch das deutsche Recht kennt verschiedene Wege, wie es in Deutschland legal und sicher ablaufen kann. Bis sich eine Frau dann aber entscheidet, den Weg als Singlemutter zu gehen, dauert es oft nicht nur wenige Monate. Meist ist es ein langer Prozess, mit Höhen und Tiefen. Denn die Entscheidung, eine Single Mom By Choice zu werden ist anders als der Begriff vermuten lässt, keine Entscheidung für ein Kind ohne Partner. Die meisten Frauen entscheiden sich nicht freiwillig dafür, eine Singlemom zu werden. Es ist schlicht ihr Plan-B, eine andere Möglichkeit, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Beispielhaft habe ich hier auf der Grundlage meiner Beratungserfahrungen verschiedene Phasen auf dem Weg zur Solomutterschaft zusammengetragen. Natürlich ist jeder Kinderwunschweg sehr individuell und nicht jede Frau durchläuft jede einzelne Phase. Es folgt dann eine Zusammenfassung hilfreicher Ressourcen und Formen von Unterstützung.

Der unerfüllte Kinderwunsch

Selten stellt sich der Kinderwunsch schlagartig – z.B. über Nacht, mit Erreichen einer bestimmten Altersgrenze oder mit Eintreten sich verändernder Lebensumstände ein. Bei den meisten Frauen in meiner Beratung besteht er schon über längere Zeit und konnte einfach bisher nicht erfüllt werden – aufgrund eines fehlenden, nicht passenden bzw. nicht willigen Partners. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann emotional sehr belastend sein. Viele Frauen leiden unter ihrer Kinderlosigkeit. Und je mehr die biologische Uhr tickt, desto größer wird der Druck.

Vergleichen

„Warum sie und nicht ich?“ Diese Frage quält so manche ungewollt kinderlose Frau und wird auch hin und wieder als Thema in meine Beratung eingebracht. Denn oft gibt es Freunde oder Bekannte, die dann jetzt – ausgerechnet jetzt ein Kind (oder schon wieder) ein Kind bekommen. Für einige Frauen ist das häufige Auftreten von Schwangerschaften im Freundeskreis der letzte Kick- eine Motivation, jetzt endlich auch loszulegen. Manche Frauen sehen sich aber plötzlich mit Gefühlen von Neid und Eifersucht konfrontiert. Schlimmstenfalls werden sogar Freundschaften eingeschränkt oder beendet. Ebenso kann sich ein Schuldgefühl dazugesellen. „Ich freue mich für meine Freundin, aber gönnen kann ich es ihr nicht“. Der unerfüllte Kinderwunsch kann seelisch eben sehr belastend und einnehmend sein. Einige Frauen halten es teilweise gar nicht mehr aus, mit anderen Müttern und ihren Kindern zusammen zu sein. Andere hingegen trösten sich, indem sie vermehrten Kontakt zu jenen Müttern suchen.

So manchen Frauen fällt es schwer, dieses Thema mit ihren Freunden zu besprechen. Beratung kann erst einmal erlauben, die Gefühle wahrzunehmen und auszusprechen, sie zu ordnen, strukturieren, gemeinsam zu reflektieren und eben dadurch auch zu bearbeiten.

Auf der Suche nach Lösungen (ohne Fremdeinwirken Dritter)

Wird der Kinderwunsch stärker, beginnen die Frauen nach Lösungen zu suchen. Am Anfang auf herkömmlichen Wege.

Partnersuche … Einige Frauen berichten mir, dass sie sich in der Partnersuche eingeschränkt fühlten – blockiert durch diesen gewaltigen Doppelauftrag – die Suche nach einem Partner und zugleich potentiellen Vater und das bis spätestens übermorgen. Ein schier unmögliches Unterfangen. Also Abstriche machen? Kompromisse eingehen? Nein! Denn die „Zeiten, in denen Frauen mit jemanden eine Kompromiss-Partnerschaft eingegangen sind, der ihnen nicht wirklich gefiel, nur um einen Mann zum Zeugen von Nachwuchs zu haben, sollten im 21. Jahrhundert vorbei sein“ (Mundlos, S. 13).

Vatersuche … Wenn schon keinen Partner, dann wenigstens einen Vater? Wer kennt nicht diese Geschichte aus seinem Bekannt*innenkreis: Anna wollte unbedingt ein Kind, ging in eine Bar und nun ist sie superglückliche Mutter. Die meisten Frauen in meiner Beratung haben sich gegen diesen Weg entschieden, aber zumindest einmal mit diesem Gedanken gespielt.

Weitere mögliche Lösungen werden zumindest kurz im Kopf durchgespielt und es zeigt sich dann mehr oder weniger schnell: Ein One-Night-Stand in der Bar, das krampfhafte Festhalten an einer “verlorenen” Beziehung, das Warten auf Mr. X, der bestimmt morgen in der Straßenbahn sitzt – all diese Wege werden in den allermeisten Fällen wieder verworfen.

Verschieben und Verdrängen

Nicht selten kommt es dann vor, dass das Thema erst einmal verschoben wird: “bis ich 35 bin”, “bis zum Winter” oder “bis ich da gerade nicht mehr so emotional darauf reagiere, wie jetzt”. Andere Dinge werden “vorgeschoben” – ein Umzug, eine Wohnung eine neue Jobperspektive. Das Thema wird dann immer wieder in die Schublade gepackt, herausgeholt, verpackt, neu verpackt… Für die Frauen oft ein emotionales Auf- und Ab begleitet von Enttäuschung, Selbstzweifeln und erneuten Episoden der Hoffnung und Zuversicht.

Plan B: Solomutterschaft?

Diese ganzen Gefühle, die Traurigkeit, der Neid, das Gefühl von Leere, Unerfülltheit und der starke Wunsch nach Veränderung der familiären Situation – es ist normal (und nicht krankhaft). Irgendwann gelangen die Frauen an einen Punkt, wo sie merken: „Vielleicht klappt es nicht, vielleicht finde ich keinen Partner – und dann ist es zu spät?!“

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann sich emotional sehr belastend auswirken. Manchmal müssen die Frauen ihren “Plan A” betrauern und verabschieden. Dies kann auch einige Zeit dauern. Bei manchen Frauen mehr – bei anderen weniger. Das ist in Ordnung so. Denn nur so kann der Plan B, C oder Z auch eintreten.

Irgendwann gelangen die Frauen dann an einen Punkt, an dem sie anfangen, sich über einen Plan B zu informieren. „Gibt es einen anderen Weg?“

Der Familientyp der Solomutterschaft ist gesellschaftlich noch lange nicht als ein möglicher Familientyp verankert. Doch der Bekanntheitsgrad nimmt immer mehr zu, nicht zuletzt aufgrund der Einführung des Samenspenderegistergesetzes, was dazu beiträgt, dass immer mehr Kinderwunschkliniken auch alleinstehende Frauen behandeln. Hierfür stöbern die meisten erst einmal im Internet. Doch meistens führt dies zu weiteren Fragen.

Welche Familienform passt zu mir?

Ist die Entscheidung gefallen, eine Solomutter (bzw. Single Mom By Choice) zu werden, dann geht es los mit der Beschaffung weiterer Informationen: private Samenspende, Co-Elternschaft – oder doch ein Spender von der Samenbank? In Deutschland oder im Ausland? Mit welchen rechtlichen Konsequenzen? Bei welcher Kinderwunschklinik und von welcher Samenbank?

Die Frauen informieren sich und wägen verschiedene Möglichkeiten unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Moral- und Wertvorstellungen ab. Auch die rechtliche Situation und der finanzielle Aufwand spielen eine wichtige Rolle. Bereits zu diesem Zeitpunkt suchen sie vielleicht eine Beratung auf, um einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten zu erhalten und ihrer eigene Haltung zu den verschiedenen Familientypen zu reflektieren.

Informationsmarathon

Leider gibt es keinen allgemeinen Fahrplan – jedes Land, Bundesland, jede Klinik und jede Samenbank- sie alle haben unterschiedliche Regelungen. Hier ist Solomutterschaft erlaubt, dort geduldet – anderswo wird es medizinisch nicht unterstützt und nicht einmal begleitet. Die verschiedenen Angebote der Reproduktionsmedizin sorgen für auch für einer größere Auswahl an Behandlungsmöglichkeiten. Es ist für die Frauen oft sehr anstrengend und herausfordernd, sich in diesem System mit den vielen Möglichkeiten zurechtzufinden, insbesondere da das Thema des unerfüllten Kinderwunsches sowieso schon emotional besetzt ist.

Feinjustierung

Wieder vergeht Zeit, bis die passende Lösung gefunden wird. Denn so eine Entscheidung fällt man nicht einfach so nebenher – sie will gut überlegt sein. Doch ist es die Zeit, die vielen Frauen oft im Nacken sitzt. Denn mit zunehmendem Alter wird es immer schwerer, ein Kind zu zeugen. Und jede Familienform bringt ihre Vor- und Nachteile mit sich. Wie kann man druck- und stressfrei so eine enorm wichtige Entscheidung fällen?

Oder doch nicht Plan B

Es kann auch immer wieder den Punkt geben, an dem die Frauen ihren aktuellen Plan hinterfragen. Zweifel setzen sich fest. Häufig beschäftigen sich die Frauen in meiner Beratung mit den Fragen “Ist es nicht egoistisch von mir, auf diese Weise ein Kind zu zeugen? Kann ich mir das überhaupt zutrauen oder nehme ich meinem Kind nicht das Recht auf seinen Vater und seine Identität?”

Momente des Zweifels sind normal!! Hier fängt die Frau an, sich ihren individuellen Umgangsweg mit dem Thema zu erarbeiten.

Schuldgefühle und Zweifel

Viele Frauen kommen irgendwann an den Punkt, zu hinterfragen, wo der Kinderwunsch herkommt. Selbstzweifel und fragwürdige Motive nisten sich ein. „Warum will ich jetzt unbedingt ein Kind? Sind das “nur” die Hormone? Was stimmt mit mir nicht? Es gibt viele kinderlose glückliche Menschen, warum also der Kinderwunsch? Warum jetzt? Ist es der Versuch, etwas zu kompensieren?“ Auch diese Fragen beschäftigen manche Frauen meiner Beratung auf ihrem Kinderwunschweg. Und dann der Kommentar von der Freundin „Du bist aber auch viel zu wählerisch“.

Phasen des Zweifels sind normal und begleiten die emotionale Achterbahnfahrt. Sie kommen und gehen, mal mehr und mal weniger.

Aber:

Es ist definitiv keine Frau Schuld an ihrer Kinderlosigkeit oder an ihrem Beziehungsstand. Keine der Frauen in meiner Beratung ist bewusst alleinstehend. Es handelt sich lediglich um ein kleines Beziehungsmerkmal zu einem bestimmten Zeitpunkt, zu dem der Kinderwunsch aktuell und die Sehnsucht nach einem eigenen Kind groß ist.

Der erste Versuch- meist kein Treffer

Los geht es dann mit der Kinderwunschbehandlung. Bei den meisten bleibt es nicht bei einem Versuch. Auch diese Zeit kann für viele Frauen sehr belastend sein. Insbesondere Fehlgeburten stellen für die Frauen einen schweren Rückschlag dar. Aber auch die Kinderwunschbehandlung kann psychisch und körperlich sehr belastend sein.

Endlich schwanger

Jetzt wäre eigentlich ein Moment des Aufatmens da. Die kritischen drei Monate sind überstanden. Doch spätestens jetzt taucht die Frage auf: “Wem sag ich es wann und wieviel erzähle ich?”. Das ist die mit Abstand am meisten gestellte Frage, die mir im Beratungsalltag begegnet. Und natürlich gibt es da keine einfache Antwort – jede Frau muss sich den Umgang mit diesem Thema erarbeiten. Anderen Menschen aus dem Umfeld zu erklären, dass das eigene Kind aus einer Samenspende entstanden ist – dies nehmen einige Frauen als ein “Coming Out” wahr. Denn wenn eine Singlefrau plötzlich schwanger wird – dann gibt es für Andere “viele” Fragen. Und die Menschen sind oft neugierig und fragen. Wie geht Frau also damit um?

Kurz vor der Geburt

Und es bleibt nicht bei der einen Frage. Jetzt gibt es plötzlich so viele Dinge, die zu beachten sind. Vor allem zu den rechtlichen und finanziellen Aspekten, die sich für Solomütter ergeben, haben die Frauen viele Fragen. Denn sie sind (zunächst) geplant alleinerziehend. Es wird erst einmal keinen Partner geben, der diese Familie mit unterstützt. Insbesondere im öffentlich-rechtlichen Bereich gibt es noch nicht überall einen sensiblen Umgang mit dem Begriff der Solomutter. Die Frauen müssen sich immer wieder erklären. Und auch hier: Wem sage ich was? Muss ich dem Amt sagen, dass es eine Samenspende war?

Das Kind ist da

Meistens beginnt hier die “Normalität” und die Frauen nehmen zu diesem Zeitpunkt immer weniger Unterschiede zu anderen Familienmodellen war. Rechtlich und natürlich finanziell gibt es hin und wieder Fragen. Was aber mit zunehmendem Alter des Kindes jetzt spannend wird, ist die Frage “Wann kläre ich mein Kind auf und wie?” und später dann “Wie spreche ich es in der Kita an?”. Auch hier gibt es keinen Kurzfahrplan und die Frau muss sich ihren individuellen Weg erarbeiten, der am Ende auch authentisch sein muss.