Katharina Horn

Leitfaden zum Film Menschenskind! 

In Vorbereitung auf  unseren Filmabend mit anschließender Diskussion kannst Du
Dich hier schon mal ein wenig einlesen.

Erinnert Ihr Euch noch? Der Film Menschenskind!

Schon vor einiger Zeit habe ich einen kleinen Artikel mit einem Interview zum Film „Menschenskind!“ geschrieben. Damals wurde der Film m Rahmen des internationalen Filmfestivals DOK.fest München ausgestrahlt. Kurze Zeit fand er auch seinen Weg in die Schweizer Kinos. 

Menschenskind! Ein Dokumentarfilm zum Weg einer Solomutter und Empfängerin einer Samenspende

Worum geht es in aller Kürze? Der Film Menschenskind! ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Weg der Samenspende als alleinstehende Person. Marina empfängt ein Kind aus einer privaten Samenspende. Sie reflektiert ihren eigenen Weg im Gespräch mit anderen Personen, die ebenfalls Teil einer nicht-konventionellen Familie sind. Der Film Menschenskind! ist ein Film – bzw. eine Dokumentation mit allen Facetten der Solomutterschaft, insb. der ethisch moralischen Auseinandersetzung mit Rollenbildern, Identität und den gesellschaftlichen Wert- und Normvorstellungen. Fragen, mit denen sich die meisten Solomütter im Laufe der Zeit auseinandersetzen, kommen hier geballt zusammen. Wenn Du also am Anfang deines Weges zur Solomutter bist, kann der Film daher auch entmutigend oder abschreckend wirken. Hier kommen Jahre der Auseinandersetzung mit diesem kontrovers diskutierten Thema zusammen, das vielleicht in der Schweiz mit einem viel schwereren Tabu belegt ist, als in Deutschland. Wichtig ist es, auf die vielen Fragen eine Antwort zu finden. Das ist ein Prozess und das verdeutlicht auch dieser Film. Schmid von der NZZ schreibt:

„Mir gefällt das Suchende und die Ehrlichkeit und auch Furchtlosigkeit mit der sich die Filmemacherin mit ihrer persönlichen Geschichte aussetzt. Als Zuschauer*in ist man ständig herausgefordert, die eigene Haltung zu überprüfen. Tolle Protagonisten.“ (Birgit Schmid, NZZ)

Jennifer hat noch ein spannendes Interview mit Marina geführt. Als Co-Mutter und Expertin in diesem Thema stellt sie noch mal die Perspektive der Co-Elternschaft vor. Auch sie wird an unserem Gedankenaustausch teilnehmen.

Aufruf zum Filmevent Menschenskind!

Der Film Menschenskind! kann daher ein Angebot sein, Deine eigene Haltung zu reflektieren. Wenn Du möchtest- dann auch gerne gemeinsam. Hierfür laden wir (Jennifer und ich) Dich ein, Deime Gedanken und Fragen zum Film Menschenskind! zu diskutieren. Am 28.08.21 treffen wir uns um 21 Uhr online. Mit dabei natürlich auch Marina selbst, die Protagonistin, die wir im Film Menschenskind! noch näher kennen lernen werden.

Du kannst den Film Menschenskind! vom 27.08. – 28.08. online sehen. Mit uns zusammen kannst Du ihn direkt streamen, wenn Du das das Dok.Fest München verpasst hast. Hierfür wird er für einen Sonderpreis von 8€ für 24 Stunden für Dich bereitgestellt. Und wenn Du dann noch Lust auf Austausch hast, wir freuen uns darauf, mit Dir und vielen anderen Interessent*innen am Freitag im Anschluss um 21 Uhr den Film Menschenskind! zu diskutieren.

Ich fasse zusammen:

        • 27.08. – 28.08. Online-Streaming des Films Menschenskind! 
        • Sonderpreis 8€ 
        • 28.08. 21 Uhr Austausch und Diskussion mit Marina Belobrovaja, Jennifer Sutholt von planningmathilda.com und mir

Hier kommst Du zum Ticketverkauf zum Film Menschenskind!.

Die Protagonistin Marina Belobrovaja

Der Film Menschenskind! begleitet sie mehrere Jahre lang auf ihrer Reise oder vielmehr bei ihrer Auseinandersetzung mit ihrem Weg zum Wunschkind. Marina hat ein Kind aus einer privaten Samenspende bekommen (Nelly). Sie wurde zunächst in Kiew geboren und siedelte mit 13 Jahren mit ihrer Familie nach Israel. Mit 19 Jahren ging sie nach Berlin und später dann nach Zürich. Dort studierte sie Kunst. Auch ihr Film Menschenskind! ist eine künstlerische Auseinandersetzung mit einem vielerorts umstrittenen und komplexen Lebensweg. Hierfür spricht sie mit verschiedenen Personen, die in ganz unterschiedlichen Konstellationen leben und oder ein Kind gezeugt haben, mit dem eigenen Samenspender („lieber Mann, der uns geholfen hat“) und mit zwei heute erwachsenen Kindern, das durch eine Samenspende gezeugt wurden.

Marinas Familie

Von Anfang an berührt mich der offene Umgang mit ihrer Familie. Direkt nach dem Geschlechtsverkehr telefoniert sie mit ihrer Mutter. Die meisten Klient*innen haben bereits ihre Familie vor der Kinderwunschbehandlung eingeweiht, aber der Austausch über eine sehr intime Sache mit der eigenen Mutter im Rahmen dieses gewählten Versuchs, eine Schwangerschaft herbeizuführen, berührt und beeindruckt mich zugleich.

Immer wieder spricht sie mit ihrer Mutter über ihren Weg und berichtet von den Neuigkeiten und Entwicklungen. Diese Szenen ziehen sich durch den ganzen Film. Sie zeigt sich ihren Eltern gegenüber traurig, müde, genervt aber auch fröhlich und humorvoll. Diese Szenen ziehen einen roten Faden durch den ganzen Film. Bei mir lösen sie Gefühle des Urvertrauens, der Zugehörigkeit, Herzlichkeit und Verlässlichkeit aus und sprechen für eine starke Bindung. Und mit Blick auf den Film frage ich mich:

Ist das die Auseinandersetzung mit Marinas Wunsch, die gleichen Werte auf ihre Einelternfamilie zu übertragen?

Noe, der Samenspender – „Leben schenken ist etwas Positives.“

Er spricht über seine Motive, über andere Spender, über den Ablauf und über das gesellschaftliche Tabu der Unfruchtbarkeit. Noe selbst hat schon mehrere Kinder gezeugt, wie viele erfährt Marina erst später …

Anne, Kind aus einer anonymer Samenspende- „Ich hab´ so ein bisschen ethische Bauchschmerzen.“

Als ein durch anonyme Samenspende gezeugtes Kind eines Elternpaares erhält Anne eine Kontaktanfrage von Marina und berichtet von ihren Erfahrungen und Gedanken. Anne ist Mitglied des Vereins Spenderkinder e.V. Erst mit 10 Jahren wurde sie von ihren Eltern aufgeklärt. Dies war damals die gängige Empfehlung, Kinder aus einer Samenspende nicht aufzuklären, woran sich viele Elternpaare gehalten haben. Wie viele andere Personen, die erst so spät über ihre Entstehung erfuhren, beschreibt auch Anne diese Erfahrung als schmerzhaft. Marinas Weg kann sie nicht teilen. An den Weg der Solomutterschaft knüpft sie die Frage an: „Gibt es ein Recht auf ein eigenes Kind?“, was sie verneint. Elternschaft lässt sich ihrer Ansicht nach nicht übertragen.

Wie geht es Anne damit, nicht zu erfahren, wer ihr biologischer Vater ist? Welche Empfehlung hat Anne für Marina? Was hätten Annes Eltern anders machen sollen?

Sven, Kind aus anonymer Samenspende, Vater – „Ich kam bei meinen Eltern nicht weiter.“

Sven hat herausgefunden, dass er durch eine Samenspende gezeugt wurde. Anders als Anne, hat er erst als erwachsene Person herausgefunden, dass sein sozialer Vater nicht sein leiblicher Vater ist. Sven schildert sehr eindrücklich davon, wie sich bei ihm Gedanken des Zweilfels um die biologische Vaterschaft angebahnt haben. Irgendwann kommt  Sven auf die Idee, einen DNA-Test zu machen. Sven geht ins Gespräch mit seinen Eltern. Wer sein genetischer Vater ist, weiß er nicht.

Was macht das mit Sven? Wie fühlt es sich wohl an, so spät herauszufinden, dass die genetischen Wurzeln z.T. woanders liegen, als zeitlebens angenommen?

Heute wissen wir, frühe Aufklärung über die Art der Entstehung ist das A & O.  So lautet die aktuelle Empfehlung führender Kinderwunschexpert*innen ebenfalls, das Kind frühzeitig über seine Entstehung aufzuklären (vgl. z.B. AWMF-Leitlinie 016-003, Update 19). Die Aufklärung des Kindes ist eines meiner Herzensthemen in meiner Arbeit als Kinderwunschberaterin. Jede Person geht mit klaren Ideen aus meiner Beratung heraus, wie und wann sie ihr Kind aufklären kann. Und für die allermeisten Klient*innen ist im Vorhinein klar: Das Kind wird frühzeitig aufgeklärt. Geschichten von Sven und Anne belegen, dass zu langes Warten, zu spätes Aufklären oder gar der vollkommene Verzicht zu Vertrauensbrüchen und schmerzhaften Erfahrungen führen kann.

Behörden

Wie auch viele Solomütter in Deutschland, muss auch Marina sich den Schweizer Behörden ggü. hinsichtlich ihres Familienstandes rechtfertigen und erklären. Hier lässt ein Telefonat tief blicken in die besonders schwierige Lage in der Schweiz, in der die Behandlung alleinstehender Frauen nicht erlaubt ist.

Ist eine Samenspende in der Schweiz erlaubt? Gibt es Beschränkungen für alleinstehende Personen? 

Öffentlichkeitsstimmen

Zwei Autorinnen werden in dem Film Menschenskind! erwähnt. Ihre Haltungen könnten nicht gegensätzlicher sein. Wer sie nicht kennt, hier könnt Ihr Euch einlesen.

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff

Wer sie nicht kennt: Sie erntete 2014 heftige Kritik, nachdem sie in einer Rede aus einer künstlichen Befruchtung entstandene Kinder als Halbwesen bezeichnete. Nach einer harschen Kritik an ihren verletzenden und diskriminierenden Worten, entschuldigte sich die Autorin und bat um Rücknahme, der Satz sei „zu scharf“ ausgefallen.

Die Soziologin Eva Ilouz

Sie hingegen vertritt eine gegensätzliche Position. In einem Interview sagt sie: „Macht euren Kinderwunsch nicht abhängig vom Wunsch nach romantischer Liebe. Wenn ihr Kinder wollt, bekommt sie allein – oder in einer Gemeinschaft mit anderen Frauen, die ebenfalls Kinder wollen. Oder mit Männern, die Kinder wollen, aber nicht eure Partner sind.“

Anton & Sandra, Mika & Anna – „Ich bin insofern distanziert, als dass das nicht mein Kind ist.“

Sandra wollte nie ein Kind, Anton schon. Wie das Paar mit dem ungleichgewichtigen Kinderwunsch umgeht, ist beeindruckend. Ihre Beziehung geprägt von Offenheit und Transparenz. Anton und Sandra stimmen einem lesbischen Paar zu, dass Anton der Samenspender wird. Mika und Anna möchten mit der ROPA-Methode schwanger werden. Dies bedeutet, Mikas Eizelle wird befruchtet und dann bei Anna eingesetzt. Somit wäre Mika die genetische Mutter, Anna die biologische Mutter und Anton der Samenspender.

Was macht das mit Sandra? Wie geht es ihr damit? Was macht das mit den beiden als Paar? Welche Rolle wird Anton einnehmen?  

Madeleine – „Vielleicht ist es besser – ein schlechter Vater, als gar kein Vater.“

Madeleine ist Nellys (soziale) Großmutter. Sie ist Mutter zweier Kinder. Sie wollte nie unbedingt ein Kind haben. Als junge Frau wird sie schwanger. Madeleine heiratet. Unglücklich bleibt sie in der Ehe, für die Kinder.

Sven, Kat & Dani- „Ich bin ja kein Mann für Euch, sondern ein Vater für das Kind – das ist ja die Rolle.“

Kat & Dani erwarten ein Kind. Sven, den wir bereits kennenlernen durften wird nun selbst Vater durch Samenspende. Anders als bei seiner eigenen Geschichte strebt Sven eine „aktivere“ Vaterrolle inhalb dieser Konstellation an. Kat & Dani möchten, dass ihr Kind seinen Vater kennt. Sven reflektiert seine Vaterrolle auch mit der Protagonistin. Für ihn ganz wichtig, er nimmt auch, wenn er kein Sorgerecht hat, eine soziale Vaterrolle ein.

Welche Rolle nimmt die Person, die den Samen gespendet hat in einer Familie ein? Woran legen die Beteiligten dies fest. Was, wenn Wünsche und Bedürfnisse sich ändern?

Übrigens: Jüngst hat es in Deutschland ein Urteil gegeben. Dem Samenspender ist dabei das Umgangsrecht für sein durch Samenspende gezeugtes Kind zugesprochen worden, obwohl die Lebenspartnerin der Mutter das Kind adoptiert hatte. Dieses strittige Urteil sorgte auf vielen Seiten für heftige Kritik.

Nelly

Der Film Menschenskind! zeigt usn immer wieder Alltagsszenen einer Solomutter, die ungeschminkte Wahrheit des Familienlebens. Zu sehen sind Situationen der Überforderung, Wut, Traurigkeit, bei denen sich die Protagonistin fragt: „Typisch für eine (konventionelle) Familie oder Ergebnis ihres bewusst gewählten Wegs der Solomutterschaft?“

Diese Frage finde ich interessant. Dahinter steht der wahnsinnig hohe Anspruch, als Mutter perfekt sein zu müssen. Oft spreche ich mit meinen Klient*innen darüber, wie sie mit den eigenen Ansprüchen umgehen. „Darf ich als Solomutter auch Schwäche und Überforderung zeigen (und in Folge Hilfe in Anspruch nehmen)? „Schließlich bin ich ja bewusst diesen Weg gegangen“. „Wie bewerten Andere meine Situation?“

Dürfen Solomütter Fehler machen?

Wer hier schnell mit ja antworten möchte, gut so. Eigentlich scheint das selbstverständlich. Aber so Einige, die ich beraten habe, berichten von Schwierigkeiten, Überforderung nach Außen zu zeigen, um sich eben nicht angreifbar zu machen für ihren Weg der Solomutterschaft.

Wo liegen Deine Ansprüche?

Der Film Menschenskind! liefert Reflexionsmaterial

Marina reflektiert. Sie reflektiert die Gespräche mit den anderen Akteur*innen und am Ende ihren éigenen Weg. Dabei stößt sie auf viele Fragen, die sich im Rahmen dieser Auseinandersetzung ergeben:

Zum Beispiel: Warum stößt der Weg des Samenspende in Europa auf so viel Widerstand und ablehnende Haltungen, während sich in Israel alle über die Schwangerschaft freuen? Welche Bedeutung hat die Rolle des Vaters/ der Mutter bzw. der Elternschaft? Welche Rolle spielt die Religion?

Auch ein ganz wichtiges Thema: Wie bezeichnen wir die Personen, die aus einer Spende entstanden sind? Anne kritisiert, die Begriffe sind zumeist nicht aus der Kinderperspektive gewählt. Sie gibt zu bedenken, welche Bedeutung hat ein Begriff mit welcher Botschaft bzw. welchem Unterton?

Und immer wieder tauchen die Fragen auf:

Wo ziehst Du die ethischen Grenzen? Was ist Deine persönliche Einstellung? Was ist Deine Haltung?

Am Ende habe auch ich noch mehr Fragen. Hierfür habe ich Marina noch mal befragt:

Noch mehr Fragen an Marina Belobrovaja

Im Film thematisierst Du immer wieder die Rolle des Spenders bzw. des lieben Mannes, der euch geholfen hat. Welche Rolle hat der Spender in Eurer Familie (heute)?  

Seine Rolle zeigt sich im Grunde schon anhand der Bezeichnung „Spender“, die ich zwar nicht unproblematisch finde, aber nach wie vor verwende. Er steht ausserhalb unserer Familie. Allerdings war es mir von Beginn an wichtig, ihn als Beteiligten an unserer Familienkonsgtellation gegenüber ins Spiel zu bringen. Die Transparenz unserer Geschichte nach aussen und gegenüber meiner Tochter ebenso wie die Möglichkeit, ihn einmal kennenzulernen, waren für mich wesentliche Voraussetzungen für diesen Weg.

Marina, während des Films wirkst Du auf mich, als wärst Du auf einer Suche. Wonach suchst Du genau? Und hast Du es gefunden? 

Für mich als Künstlerin stellte der Film die Möglichkeit dar, Fragen, die mich als Privatperson beschäftigen auf einer anderen, eben nicht rein privaten Ebene nachzugehen, sondern sie breiter, allgemeingesellschaftlicher zu verhandeln. Das sind Fragen, die viele Menschen, die ihre Familienplanung ausserhalb des normativen Familienmodells sich stellen (müssen), weil es für ihre Lebensentwürfe schlicht noch gar keine – oder nur sehr wenige – Rollenmodelle gibt: Was macht Familie aus? Sind soziale oder biologische Faktoren ausschlaggebend für zwischenmenschliche Beziehungen? Welcher Kritik begegne ich auf meinem Weg und wie kann ich mich ihr stellen und die eigene Position womöglich gerade dadurch stärken? Wie gehe ich mit der Entstehungsgeschichte meines Kindes um und inwiefern kann ich mein Kind darin unterstützen, mit ihr klarzukommen? Aber auch: Was bringt Männer wie Noe dazu, Samen zu spenden und welche Ambitionen, Wünsche, Menschenbilder stecken dahinter? Und noch ganz-ganz viele weitere Fragen!

Was habe ich gefunden? Es sind wohl kaum Antworten. Vielmehr ist es die zunehmende Akzeptanz dessen, dass ich mit vielen Fragen leben muss, aber auch kann. 

Dein Film ist kein Solomama-Starterkit um diesen speziellen Weg anzutreten. In der Reflexton mit den anderen Akteur*innen Deines Film markierst Du viele kritische Aspekte für den Weg einer Familiengründung mit Samenspende. Ich finde es unheimlich wichtig, auch die negativen Aspekte eines solchen Weges zu beleuchten. Am Ende fehlt mir aber doch irgendwie eine positive Haltung zu diesem Weg. Wie siehst Du das? 

Ich schätze es anders ein. Der Film taugt in der Tat kaum als ein Leitfaden für die Solomutterschaft. Aber es ist ein Film, der sich für Dinge wie Reflexion, Emanzipation und Selbstermächtigung ebenso wie Liebe und Beziehung – in diversen Auslegungen dieses Begriffs – stark macht. Und erscheint mir doch sehr positiv.

Wer hat Dich zu Deinem Weg bestärkt? Wer oder was gab Dir die Kraft? Wer hat Dich unterstützt? 

Das waren meine Eltern und meine Oma, die leider nicht mehr lebt. Unsere Beziehung war und ist stets von Vertrauen und Dialog geprägt. 

Diese Frage höre ich beispielsweise ganz oft in der Beratung oder in den Vernetzungstreffen: Hast Du Deinen Weg bereut? 

Nein, warum sollte ich? Ich habe eine wunderbare achtjährige Tochter, zu der ich eine enge und vertrauensvolle Beziehung pflege. Die Vorstellung, die letzten acht Jahre wären anders verlaufen, wäre rein theoretisch, unser Leben und unsere Liebe, Schwierigkeiten und Verrücktheiten sind aber der wirkliche, greifbare Alltag, den ich unter keinen Umständen hergeben möchte. 

Was würdest Du heute anders machen? 

Ich würde wohl von Beginn an weniger von meinem Umfeld erwarten. Und wenn ich Erwartungen hätte, würde ich sie direkter kommunizieren. Implizite und sehr oft unerfüllte Erwartungen an meine Freund*innen haben zu vielen Konflikten, Enttäuschungen und Entzweiungen in meinem Freund*innenkreis geführt.

In unserem letzten Kurzinterview sagtest Du: „Und ich hoffe, dass der Film der Diversität, die in Teilen unserer Gesellschaft lange schon Realität ist, zu mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz verhelfen kann.“

Das hoffe ich auch!!! Samenspende für alleinstehende Frauen ist in der Schweiz noch immer verboten. In Frankreich steht die Kinderwunschbehandlung dank des Bioethikgesetzes nun auch alleinstehenden Frauen kostenlos offen (lies mehr hier dazu). Wie ist die aktuelle Lage in der Schweiz?  

Die aktuelle Lage ist sehr brisant: am 26. September werden Schweizer*innen über das von den rechtskonservativen Exponent*innen lancierte Referendum gegen die Initiative „Ehe für alle“ abstimmen. Einer der zentralen Streitpunkte ist der Zugang lesbischer Paare zur Samenspende, der in der Schweiz nach wie vor nicht legal ist. Seit mindestens 7 Jahren wird über das Thema parlamentarisch verhandelt. Gegenwärtig sieht die Schweizer Gesetzgebung den Zugriff auf die Samenbanken lediglich für heterosexuelle verheiratete Paare vor. Die Frage nach der Legalisierung der Solomutterschaft ist in der öffentlichen Diskussion nicht mal ansatzweise präsent und die Lage der Solomütter rechtlich prekär. Es gibt im Grunde nur zwei Optionen für die Alleinmutterschaft: Samenspende/Behandlung im Ausland oder private Samenspende. Beide Varianten sind kriminalisiert.

In Deutschland habe ich mittlerweile so viele Solomütter bzw. jene, die es noch werden wollen, kennen gelernt. Gibt es solche Netzwerke auch in der Schweiz? 

Die hiesigen Solomütter sind vorwiegend nach Deutschland bzw. europaweit orientiert. In Deutschland gibt es – wohl nicht zuletzt aufgrund der liberaleren Gesetzeslage – wesentlich mehr Zusammenschlüsse, Foren und Angebote rund um Solomutterschaft und somit auch deutlich mehr Sichtbarkeit. Und die digitale Vernetzung vereinfacht zusätzlich die Kommunikation über die Landesgrenzen hinweg. Aber da seid Du und Jennifer ja an der vordersten Front!

Danke Marina! Deine Worte beeindrucken mich und ich freue mich auf unseren Austausch. 

Lass uns reden! 

Möchtest Du den Film Menschenskind! ansehen und mitdiskutieren? Ich fasse nochmal zusammen.

    • 27.08. – 28.08. Online-Streaming des Films Menschenskind! 
    • Sonderpreis 8€ 
    • 28.08. 21 Uhr Austausch und Diskussion mit Marina Belobrovaja, Jennifer Sutholt von planningmathilda.com und mir

Du kannst diskutieren, Fragen stellen oder einfach nur zuhören. Sei dabei!

Hier kommst Du zum Ticketverkauf.